Der Weg in die Selbstständigkeit- Teil 3

Die Schule versprach, auch nach der Ausbildung weiterhin für uns da zu sein. Deshalb hatte ich mich auch für sie entschieden. Bei mehreren Klassen entstanden da aber zu wenig Jobs, um für alle Schüler/-innen auszureichen. Also nahm ich die Dinge selbst in die Hand.

Der Weg in die Selbststaendigkeit als Make-up Artist

TfP mit Fabian Kasten aus München. Sommer 2006

Ich machte mir sehr viele Gedanken über meinen weiteren beruflichen Werdegang und kam zum Ergebnis, dass die dreimonatige Ausbildung zum Make-up-Artist nur dann einen Sinn machen würde, wenn ich mich selbstständig machte. Eine Anstellung in meinem alten Beruf zu suchen, kam für mich nicht mehr in Frage. Durch die Ausbildung in München hatte ich mein Herz ganz und gar der Zukunft als Make-up-Artist verschrieben.

Im Internet recherchierte ich über Selbstständigkeit. Ich machte einige Tests hinsichtlich der persönlichen Eignung, ein eigenes Unternehmen führen zu können. Die Ergebnisse sprachen alle für eine Selbstständigkeit, aber rückblickendweiß ich, dass ich meine Antworten bewusst oder unterbewusst so gegeben habe, damit genau das Ergebnis herauskommen konnte, dass ich mir insgeheim wünschte. Rückblickend betrachtet entsprachen meine Antworten nämlich allenfalls subjektiv den Tatsachen. Falls ihr solche Tests macht, lasst eure Antworten vielleicht noch einmal von einer wirklich ehrlichen und objektiven Person eures Vertrauens überprüfen.

Ohne wirklich einen Funken Ahnung zu haben, was auf mich zukommen würde, unterschrieb ich am 17.07.2006 beim Arbeitsamt München, dass ich in die Selbstständigkeit gehen und dafür ein „Überbrückungsgeld“ in der Höhe des mir zustehenden Arbeitslosengelds plus Sozialversicherungsabgaben beziehen würde.

Für ein halbes Jahr würde dieses Geld vom Staat gewährleistet sein, so dass man mehr oder weniger in aller Ruhe eine Auftragssituation herstellen kann, die die Existenz und das Auskommen sichert.

In diesem ersten halben Jahr hatte ich jedoch noch kaum zahlende Kunden. Den Businessplan, welchen ich für die Förderung benötigte, ließ ich für 120 € von dritter Seite erstellen. Dadurch war gewährleistet, dass „mein“ Business Plan die Plausibilitätsprüfung der Agentur für Arbeit standhielt.

Wenn ihr vorhabt in die Selbstständigkeit zu gehen, solltet Ihr den Business Plan und eine Rentabilitätsvorschau selbst erstellen können. Deshalb empfehle ich Euch ein Existenzgründungs Seminar zu besuchen. Auf diese Weise weißt du ganz genau, was deine Ziele sein müssen. Sehr zu empfehlen sind die Seminare von den jeweiligen Kammern.

Hier ein Link der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, aber deine regionale IHK bietet auf jeden Fall ähnliche Seminare an.

Das gleiche gilt für die Handwerksammer. 

Das Angebot der Handwerkskammer ist sogar noch vielfältiger als das der IHK, und sie bietet spezifische Kurse für Frauen an. Klick dich durch!

Fünf Tipps von Gründern für Gründer. 

Bildungsakademie.de

Ich wollte jetzt natürlich Geld verdienen mit meinen neu erworbenen Fertigkeiten. Ich fand heraus, dass Modellagenturen in aller Regel nicht nur ihre gelisteten Models anbieten, sondern auch Fotografen, Visagisten und Make-up-Artists. Damit eine Modelagentur einen Visagisten oder Make-up-Artist aufnimmt und ihren Kunden anbieten kann, muss der oder die Bewerber/-in natürlich Referenzen vorweisen können. Diese legt man in Form einer Mappe, vergleichbar mit denjenigen, die Models oder Schauspieler mit zu einem Casting mitbringen, vor. In dieser Mappe befinden sich Referenzarbeiten, damit sich der jeweilige Entscheider in der Agentur ein Bild machen kann, wie erfahren, vielseitig sowie kompetent du bist und für welche Jobs du somit geeignet wärst.

Natürlich hatte ich eine derartige Mappe zu dem Zeitpunkt noch nicht angefertigt, ich konnte auf diesem Weg also noch keine Jobs an Land ziehen.

Ich brauchte erst einmal Projekte, aus denen vorzeigbare Fotos für meine Mappe resultieren würden.

anzeige-in-der-prinz

Artikel in der Zeitschrift „PRINZ“ Ausgabe März 2006

Deshalb verfasste ich einen Aushang mit meinen Kontaktdaten zum Abtrennen am unteren Rand und kopierte den Zettel im nächsten Copy-Shop. Ich suchte die Adressen von Filmschulen (in München gibt es ja unter anderem die Bavaria Filmstudios) und allen anderen Unternehmen und Schulen heraus, die meiner Meinung nach Bedarf an meinen Dienstleistungen haben könnten und hängte die Zettel an deren Schwarzen Brettern aus. Alles offline!

Abreißzettel

Der Abreißer! Als das MIO noch nicht erfunden war.

Möglicherweise kommt dir das altertümlich oder sogar merkwürdig vor, aber es war noch eine andere Zeit.

Das Internet wurde noch lange nicht in dem Ausmaß genutzt und gepflegt, wie dies heute der Fall ist.

Es gab keine Flatrates, sondern man bezahlte Geld gemäß der genutzten Taktzeit (also Sekunden und/oder Minuten). Es gab auch kein WLAN, keine Tablets oder Smartphones.

Den relevanten Stellen zu sagen, dass man existiert und für sie arbeiten möchte, ging nicht wirklich vom Schreibtisch zu Hause aus. Mein Weg war effektiv und kostengünstig – aber zeitintensiv. Sicherlich gab es schon E-Mail-Adressen auf den Websites, aber ich wusste ja nicht, ob die Kontaktpersonen, die die E-Mail bekommen, diese auch in meinem Sinne verteilen oder an die zuständige Stelle weiterleiten würden.

Also lief ich tagelang mit meinen Zetteln durch München und hoffte auf Angebote.

Die nach und nach auch tatsächlich kamen.

Fortsetzung folgt.

 

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